erzählung des monats

durch die jalousien

e. a. kriemler | gestrandet | jetzt bestellen
14 kurzgeschichten über die antihelden unserer zeit

Das Wasser löst seine Gedanken. Die Anspannung, das Herzrasen, das Jucken unter den Nägeln, sie verschwinden. Nik streckt seine Stirn dem Strahl entgegen, schliesst die Augen, atmet durch. Das Wasser umfliesst seine Schultern, streichelt seinen Körper, wärmt ihn, lullt ihn ein. Hier könnte er ewig stehen. Letzte Nacht spielten sie fünf, sechs Stunden am Stück. Brachen den Angriff nach zig Versuchen ab. Danach fand er kaum Schlaf, wurde im Traum verfolgt. Die neue Taktik für den Angriff, sie fiel ihm im Halbschlaf ein. Er, schlagartig wach, musste die Idee festhalten, niederschreiben, damit sie ihm ja nicht entwischt. Bis zum Abend braucht er nun Ruhe. Das Rauschen des Wassers, es tut ihm gut. Die Notizen auf dem Schreibtisch warten auf ihren Einsatz. Die laufen nicht weg.

Als er die Augen wieder öffnet, steht das Wasser im Bad. Der Boden geflutet, im Gang saugt sich der Teppich voll. War vor einigen Wochen gestrauchelt, hatte den Duschvorhang mitgerissen. Die neue Gardine eine unerledigte Pendenz. Nik breitet das Frottiertuch auf dem Boden aus, schrubbt sich die Zähne. Eine neue Bürste ebenfalls keine schlechte Idee. Er wirft das Badetuch über die schiefe Vorhangstange, kehrt ins Dämmerlicht seines Schlafzimmers zurück.

Nik startet den Laptop, zieht ein T-Shirt über, lässt den Wasserkocher an. Ein Blick durch die Fensterlamellen: bewölkt. Aus dem Handgelenk schüttet er Instantkaffee und Zucker in eine gebrauchte Tasse, tastet die Tischplatte nach einem Löffel ab. Die Tasse an den Lippen, loggt er sich in die Datenbank ein. Die Aufnahme einer Brücke. Nik ordnet ihr Kategorien zu.

Bild-Nr. 9F9A23: Autobahnbrücke, Balkenkonstruktion mit Vollplatte, Beton, Hang, Gebirge, Luftaufnahme

Sein Nebenjob aus der Studienzeit. Bezahlung pro Bild. Unverbindlich, keine Verantwortung, kein Chef. Alles andere konnte er nicht halten.

Bild-Nr. 9F9A24: Fussgängerbrücke, Zugbrücke, Holz, Kanal, Feld, Seitenansicht

Bild-Nr. 9F9A25: Eisenbahnbrücke, Fachwerk, Stahl, Stein, Fluss, Wald, Talperspektive

Die Bilder aus einem Archiv. Gebäude, manchmal Werke unbekannter Künstler, Landschaften gelegentlich. Leicht verdientes Geld. Mit ein wenig Fachwissen problemlos zu bewältigen. Wozu das Ganze dient, unklar, kümmert ihn nicht.

Nach einer guten Stunde schaltet Nik den externen Monitor an. Die erste Runde der Snooker-Masters in Shanghai. Hat eine Wette am Laufen, fünf aus acht. Vier sind bereits sicher, zwei Resultate stehen noch aus. Sein Favorit liegt 3 : 2 vorn. Nach jedem zweiten Bild schielt Nik auf den Spielstand. Es sieht gut aus. Letzte Woche hat er über Tausend beim Schachturnier verloren, in Baku. Die müssen wieder rein. Das sechste Frame geht verloren. Ein dummer Fehler. Es steht 3 :  3. Nik kann sich nicht mehr konzentrieren, loggt sich aus der Datenbank aus. Wenn er nochmals verliert, sieht es schlimm aus. Er checkt die Berichterstattung, prüft die Stimmung in den Foren, geht die Statistiken durch. Vergleicht die Quoten der Anbieter, rechnet die Chancen für die zweite Runde aus. Er zündet sich eine Zigarette an, zieht daran, nervös. Wenn sein Favorit jetzt gewinnt, könnte er was riskieren, die Monatsbilanz wieder positiv. Das Spiel zäh, noch immer 3 : 3, sein Favorit beim ersten Break.

Nik speichert den Wettentwurf ab, wechselt auf einige Newsportale, lehnt sich zurück. Durch die Jalousien wirft die Nachmittagssonne zarte Streifen auf die Kleider, den Krempel auf dem Boden. Schauen, ob sich die Welt noch dreht. Nik loggt sich mit Pseudonymen ein. Eine Verbeugung vor Namensvettern, Leuten, die er verehrt. Unter echtem Namen steht im Netz niemand zu seiner Meinung. Die Welt, sie dreht sich noch. Seit Jahren um die ewig gleichen Themen. Nik schnaubt gelangweilt auf.

Klaus Mayer-Berg: Alle fühlen sich ungerecht behandelt. Die Männer und die Weiber. Schreien beide ihren Groll ohnmächtig in die Welt hinaus. Wenn ein guter Kompromiss darin besteht, dass alle Beteiligten unglücklich sind, dann ist unser Weg gut gewählt!

Unter der Rubrik «Gesellschaft» ein Bericht über Quoten für Karrierefrauen, daneben ein Artikel über verunsicherte Männer und ihr labiles Selbstbild. Den Text kopiert Nik unter beiden Beiträgen unverändert hinein. Im Inlandteil schweifen die Kommentare zu den Sozialausgaben in Richtung Steuerflucht ab.

Pascale Wirth: Klar kann man den Reichen das Geld wegnehmen und es unter den Armen verteilen. Bis irgendeinmal das System kippt und wir den Reichen unter die Arme greifen müssen… Aber halt, ist das nicht seit ein paar Jahren der Fall? Und wann schlägt das Pendel wieder zurück?

Die Reaktionen auf seine Einträge liest Nik nie. Wie viele Likes er kriegt? Ihm egal. Schreibt eigentlich für sich. Kommentare auf den Leerlauf der Welt. Aber wenn er die Gedanken schon hat, spricht was dagegen, sie auszuformulieren, zu teilen?

Klaus Mayer-Berg: Und was, wenn die Muslime recht haben? Wenn jeder Märtyrer im Himmel mit 72 Jungfrauen belohnt? Nehmen wir uns dann in der Hölle an der Nase und bereuen, dass wir nicht mit wehenden Fahnen zum Islamterror übergelaufen sind? Religion ist schon ein seltsames Spiel!

Wie lange sind die Araber jetzt schon im Krieg? Nik klickt sich durch eine Infografik. Mittlerweile steht es 4 :  3. Es geht nicht voran.

* * *
Der Schritt über die Schwelle schlägt ihr jedes Mal aufs Gemüt. Der ewige Geruch von Schlaf, Staub und Schweiss. Beisst sich in ihren Haaren fest. Sie schliesst die Tür der Einzimmerwohnung, macht erst mal Licht. Ihr Hallo verhallt unerwidert im Gang. Neben dem Kleiderständer der Kalender vom letzten Jahr. September. Auf dem Boden der aktuelle, verpackt, unberührt. Den Teller mit Nudeln und Gemüse stellt sie auf den nackten Küchentisch. Öffnet das Fenster, ruft nochmals nach Nik. Mühselig schleppt sich ihr Sohn zu ihr.

Schweigend setzt er sich an den Tisch. Nimmt die Gabel, stochert im Essen, schaut kaum auf. Ihr tägliches Ritual, um sicherzugehen, dass er auch isst. In die Wohnung im unteren Stock bringt sie ihn seit Jahren nicht. Ihr Blick mustert die Küche, die Arbeitsfläche, den Herd. Die schmutzige Pfanne in der Spüle, sie liegt schon seit Tagen dort. Alte Kaffeetassen, genau wie gestern. Er hat nichts angerührt. Im Eingangsbereich stehe eine Tüte mit Bier, Saft, Käse, Kräckern und Oliven. Habe er das bestellt? Ein Murmeln als Antwort. Sie werde ihm die Tasche nicht hochtragen. Beiden klar, dass sie lügt.

An der Wand ein einsames Foto. Niks achtzehnter Geburtstag. Mit seinen drei besten Freunden. Lachen in die Kamera, glücklich, vergnügt. Die Zukunft vor sich. Das Bild, sie bleibt daran kleben. Hat es selbst dort aufgehängt. Als Erinnerung, als Motivation. Damit sie nicht vergisst, wofür sie kämpft. Und Nik es nicht verdrängt. Sie hatten ein solches Vertrauen in ihn, solche Hoffnungen. Ein guter Junge, anständig, pflichtbewusst. Die Wohnung über ihnen, ein Studierzimmer, nur für ihn.

Heute habe er nicht gespielt. Gequält drückt Nik den Satz heraus, ausdruckslos, schaut an ihr vorbei. In seinen Worten kein Anzeichen von Stolz oder Schuld. Danach kommt lange nichts. Wie es Vater gehe. Und ob sie am Abend noch etwas unternehme. Sie nickt, für eine Antwort fehlt ihr die Kraft. Das Gespräch verstummt. Wie meistens in den letzten drei Jahren.

Vor drei Jahren. Nik trat zum zweiten Mal zur Bachelor-Prüfung an. Die erste nur knapp verpasst, rasselte er bei der zweiten durch. Mit Pauken und Trompeten. Gab weisse Blätter ab, Blockade, Totalausfall. Verkroch sich über einen Monat in seinem Bett. Wollte keinen Besuch, surfte tagelang im Netz. Sie dachten zuerst, es sei eine Frage der Zeit. Eines Tages stellte ihn sein Vater zur Rede. Solle sich einen Job suchen, vorwärts schauen, nahm ihm den Laptop weg. Am nächsten Morgen war der Schrank im Arbeitszimmer aufgebrochen. Nik hatte sich seinen Rechner zurückgeholt, schloss sich in seine Wohnung ein. Seither hat er nicht einen Fuss vor die Tür gesetzt. Und seinen Vater, den lässt er nicht mehr zu sich rein.

Der Teller ist leer. Sie steht auf, nimmt das Geschirr, legt ihre Hand zart auf Niks Schulter. Ein leiser Abschied, die Selbsthilfegruppe ruft. Jeden zweiten Donnerstag. Die Gespräche, die tun ihr gut. Zu wissen, dass sie mit Nik nicht alleine ist. Verwandte und Freunde meiden das Thema, als sei dazu bereits alles gesagt. Die Broschüre für eine betreute Wohngemeinschaft auf dem Boden im Flur. Den Prospekt hatte sie ihrem Sohn nach dem letzten Treffen in die Hand gedrückt. Nik regte sich höllisch auf, packte sein Essen, schlug die Zimmertür hinter sich zu. Drei Tage später meinte er nüchtern, dafür sei er wohl zu alt.

* * *
Die Tür fällt ins Schloss. Eine Weile bleibt Nik im Flur stehen. Schaut zum Ausgang, durch den die Mutter gerade verschwunden ist. Er ist allein. Durchs offene Küchenfenster dringt Kindergeschrei. Er setzt sich vor den Bildschirm, zündet eine Zigarette an. Sein Favorit hat gewonnen, 5 :  4. Er bestätigt die gespeicherte Wette, minimiert die Seite. Wie gelähmt starrt er auf den leeren Schreibtisch, raucht die Kippe bis zum Filter. Klickt sich gedankenverloren zu einem Porno durch, zieht ihn auf den grossen Bildschirm. Seine Mutter kehrt für heute nicht mehr zurück. Zwei Mädchen befingern, küssen sich auf einem riesigen weissen Bett. Räkeln sich sinnlich in warmem Glanz, stöhnen auf. Nik geht in die Küche, schliesst das Fenster, löscht das Licht. Auf dem Rückweg hebt er die Broschüre auf, blättert sie durch. Wenn es bloss so einfach wär. Er wirft das Papier auf den Boden zurück, einen Kloss im Hals.

Zurück im Zimmer fallen ihm seine Notizen in die Hände. Ob der Angriff tatsächlich klappt? Oder war es doch nur ein Traum? Nik geht ihre Charaktere, Waffen und Vorräte durch. Müsste hinhauen, wenn es Mugen Jin nicht verkackt. Sein Makakenprinz spielt die zentrale Rolle. Soll der Angeber mal zeigen, was er kann. In knapp zwei Stunden legen sie los. Mal schauen, ob Dinky Slight dann noch blöde Sprüche klopft. Nik wird kribbelig, nervös. Auf dem externen Monitor führt sich ein Mädchen einen Dildo ein. Doch Niks Gedanken weit entfernt. Er schaut auf die Uhr, wünscht sich den Spielstart herbei. Noch zwei Stunden. Davor wird nicht gespielt. Hat er mit sich so vereinbart.

Er muss sich ablenken. Den Plan vergessen. Zwei Stunden, dann hat er es geschafft. Nicklas zu der Fluh loggt sich ins Netzwerk ein, schaut sich die Mitteilungen an. Vielleicht findet sich ja hier was. Den Profilnamen vor Jahren geändert. Zum Spass. Seine Freunde wissen ja, wer dahintersteckt.

Fipps hat 23 neue Fotos hinzugefügt: Sandstrand, Palmen, Surfen – kann man seine Zeit besser vergeuden? 2 Wochen purer Fun!

Stefan hat ein Video geteilt: Eine Ziege wird von einem Welpen verfolgt. Was dann geschieht unglaublich, ich lach mich tot!

Gesichter aus alten Zeiten. Ohne das Internet wäre die Erinnerung längst getrübt. Bekannte, deren Leben auch ohne ihn weitergehen. Ein gelegentliches «Nicklas gefällt das» sein einziger Kontakt zu ihnen. Sein eigenes Profil seit Jahren leer.

Yenna hat ihr Titelbild aktualisiert: Merci, dass ihr alle an mein Geburtstagsfest gekommen seid. Und vielen Dank für die riesige Geburtstagstorte! Ihr seid die Besten!!!

Yenna. Seine alte Liebe. Waren unzertrennlich. Bis er zum ersten Mal durch die Prüfungen fiel. Hat sich von ihr getrennt. Am Tag, als die Resultate kamen. War ihr zuvorgekommen. Sie habe etwas Besseres verdient. Auch wenn sie’s damals nicht verstand. Nik denkt an die verflossenen Tage zurück. Wehmütig. Noch Monate hatte sie sich um ihn bemüht. Nach einer Weile tippt er einen Gruss ins Kommentarfeld. Fünf Worte, nach jahrelangem Schweigen. Hält inne, drückt die Eingabetaste. Fragt sich, was ihn gerade geritten hat.

Tom hat Andreas Video kommentiert: Wo hast du denn den Clip aufgetrieben? Den Scheiss haben wir als Teenies doch immer nach der Schule gehört. Es leben die 90er!

Pascal hat seinen Status aktualisiert: Happy!!! Habe heute die Zusage für die Junior-Stelle gekriegt. Kann’s kaum erwarten. Ein Traum, der in Erfüllung geht!

Manu und Natalie wurden auf Mels Foto markiert: Hey Nat, geiles Oberteil. Aber diese Grimasse – war letzten Samstag wohl doch ein Drink zu viel. PARTYYY!!!

Nik klickt dreimal den «Gefällt mir»-Button. Seine letzte Feier. Er erinnert sich nur noch schwach. All die Leute, übermütig, angetrunken. Nach der Trennung wurde ihm das schnell zu viel. Er geht Yennas Fotoalben durch. Ausflüge, Gruppenfotos, WG-Feiern. Wohl zum hundertsten Mal. Prägt sich ein, was er alles verpasst, fügt sich in Gedanken in die Bilder ein. Stellt sich vor, wie es draussen wäre. Ihre Trennung, die letzten Jahre nie geschehen.
Unten im Fenster geht ein Feld auf. Die Chatfunktion. Nik schreckt auf. Wieso ist die überhaupt aktiv?

Yenna: Hallo Nik. Merci für deine Geburtstagswünsche. Schon lange nichts mehr von dir gehört.

Er erstarrt. Die Seite mit den nackten Frauen. Nik schliesst sie. Eiligst, im Reflex. Klappt das Notebook zu, stellt den Bildschirm ab. Als hätte ihn Yenna bei etwas Verbotenem erwischt. Sein Herz rast. Er erhebt sich aus seinem Stuhl, den Blick auf den Rechner gerichtet, langsam, vorsichtig. Stolpert rückwärts in den Gang, in die Küche, flüchtet bis zuhinterst an die Wand. So weit weg vom Rechner, wie’s nur geht. Ein Eindringling in seinem Unterschlupf, seinem Versteck. Nik zittert, schwitzt, greift in seine Hosentasche. Zigaretten, Feuerzeug sind zum Glück da. Er zündet sich eine an, dann eine zweite. Allmählich schafft er es, sich zu beruhigen, schaut durchs Fenster in den Hof. Draussen dämmert es. Stille. Die Kinder daheim. Seine Panik, sein Verhalten, jämmerlich.

Sachte tastet er sich in sein Zimmer zurück. An der Schwelle ein kurzer Schwindel, eine Sekunde lang alles schwarz. Er atmet durch, behält die Kontrolle. Einen Schritt, zwei. Hält sich am Pult fest, setzt sich hin. Zögerlich klappt er den Laptop auf, drückt das Chatfenster weg. Nimmt die Notizen hervor, startet das Spiel. Egal wie spät es ist. Er tippt seine Skizzen ab. Eine Nachricht an Dinky Slight und Mugen Jin. Keine Reaktion. Sind noch nicht online.

Der grosse Angriff, er kann ihn kaum erwarten. Sein Avatar ein konfuzianischer Kriegermönch, Bodhi Niko Sohei. Bewaffnet mit jahrhundertealter Weisheit, mystischer Zauberkraft und einem antiken Langschwert. Die rituellen Verzierungen geben ihm zusätzliche Macht. Nik bereitet seinen Mönch auf die anstehende Schlacht vor, füllt seine Taschen mit Heiltränken, Flüchen, Proviant. Die anderen sind noch immer nicht da. Die Zeit reicht für eine Übungsmission im Wald. Er schickt Bodhi Niko Sohei auf die Jagd nach Eberdämonen. Erfahrung, die er später noch braucht. Nach einer halben Stunde sind sämtliche dunklen Geister vertrieben, niedergemetzelt von Nik und seinem übermächtigen Mönch.

Von seinen Mitstreitern nach wie vor keine Spur. Nik holt sich eine Dose Bier. Die zweitletzte. Hoffentlich stellt seine Mutter die bestellte Tasche bald vor die Wohnungstür. Zurück am Computer fasst er sich ein Herz, öffnet den Chat.

Yenna: Wie geht es dir? Besser?

Yenna: Nik? Ich seh doch, dass du online bist. Schreib doch was.

Yenna: Hab vor ein paar Wochen zufällig deine Mutter getroffen. Sie sagte, es gehe dir gut. Mit mehr rückte sie nicht heraus. Schliesst du dich noch immer ein? Kämpfst du gegen die Angst an?

Yenna: Du weisst, ich hab dich lieb. Egal was ist.

Yenna: Drück dich, hoffe du kommst eines Tages wieder raus.

Yenna: Nik?

Der letzte Eintrag ist zwölf Minuten her. Die Buchstaben verschwimmen vor seinen Augen. Einen Moment überlegt er zurückzuschreiben. Seine Hände zittern, seine Kehle zugeschnürt. Er löscht den Verlauf, klickt Yenna weg. Ein andermal vielleicht, wenn der Zeitpunkt günstig ist. Er greift zu seinem Bier, spült die Schuldgefühle, die schweren Gedanken weg. Durch das verbarrikadierte Fenster scheint der Mond ins Zimmer hinein. Nik betrachtet ihn nachdenklich, macht seine Dose leer. Im Spiel blinken zwei Nachrichten auf. Dinky Slight gratuliert ihm zu seinem Plan. Mugen Jin fragt, wo Nik bloss bleibe. Ein Blick auf die Uhr. Zeit zu spielen.

Keine halbe Stunde später rennt Bodhi Niko Sohei einen Berg hoch. Unten im Tal die gegnerische Vorhut, überwältigt, bis auf den letzten Krieger geköpft. Die Heiltränke unberührt, die Vorräte noch randvoll. Mugen Jins Makakenprinz meldet, dass auch sein Hinterhalt geglückt. Und Dinky Slight ist auf dem Weg. Der Plan könnte aufgehen, der letzte Angriff endlich gelingen. Niks Brust hebt sich erleichtert, freudig, aufgewühlt. Er spürt, wie das nächste Abenteuer ruft. Ein berauschendes Gefühl. Glück. Freiheit. Jetzt kommt alles gut.

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